Osterandacht Hirtensonntag

1. Petrus 2,21: “Denn dazu seid ihr berufen, da auch Christus gelitten hat für euch und euch ein
Vorbild hinterlassen, dass ihr sollt nachfolgen seinen Fußstapfen.” 

Mit „Berufungen“ ist das so eine Sache! Berufungen sind schillernd, aber auch ziemlich ambivalent. Ein Beispiel: Da gibt es zum Ende einer langen Besprechung eines Vereins die entscheidende Frage: Wir bräuchten noch
jemand, der sich um dieses oder jenes kümmert! Oder es kommt die Frage auf: Wer kann denn gleich noch aufräumen? Wer von euch fühlt sich denn zu dieser Aufgabe „berufen“? Eine verdächtige Frage, nun gilt es für alle Be
teiligten möglich schnell in Deckung zu gehen, den Kopf einzuziehen und den Blick zu senken. Bloß nicht ich! Ich schaue ja nicht auf. Wie wäre es mit meinem Nachbarn?

Auf der anderen Seite ist eine Berufung etwas Wunderbares, etwas Großartiges. Eine Berufung erfüllt mich mit Herzblut und Leidenschaft. Der immense Einsatz Ehrenamtlicher wäre ohne „Berufung“ überhaupt nicht vorstellbar. Vieles in unserer Gesellschaft und in unserer Kirche geschieht nicht aus Pflichtbewusstsein heraus, sondern aus echtem Einsatz für eine Sache, da fühlt sich eben jemand „berufen“! So gilt dies ja auch für den „Beruf“ schlechthin, häufig ist er nicht einfach ein Job, eine lästige Aufgabe zum Broterwerb, sondern er ist mehr: Es ist eine Lebensaufgabe, er ist häufig sogar sinnstiftend.

Petrus ermutigt in seinem Brief die Gemeinden in Kleinasien und spricht dabei auch ihre Berufung an. Eine Berufung, die auch die beiden bereits skizzierten Seiten beinhaltet. Ein bisschen anders formuliert, kann man sagen: Der Ruf ist sowohl Anspruch als auch Zuspruch. Der Anspruch leuchtet mir unmittelbar ein. Die Berufung ist eine Herausforderung: Petrus schreibt: Ihr seid berufen dem Vorbild von Jesus Christus zu folgen und sein Weg führte zum Kreuz. Leiden. Leiden um Christi Willen, bedeutet das, eines der Hauptthemen des gesamten Briefes. Eine schwerverdauliche Kost ist das. Schaut man auf den historischen Hintergrund des Briefes, leuchtet es mir ein. Die Gemeinde leidet unter Verfolgung und Repression. In dieser schweren Zeit ruft ihnen Petrus zu: Haltet durch! Versteht euer Leben auf dieser Erde als einen Pilgerweg zum Himmel. Ein herrlicher Siegeskranz liegt für euch bereit! Nehmt euch Christus als Vorbild! Er hat euch bei eurem Namen gerufen! Du bist sein Kind geworden und nun hat er dich auch berufen ihm zu folgen! Folge ihm, indem du in seinen Fußstapfen gehst! Das ist der Anspruch und wenn ich das höre, da schlackern mir die Ohren. Diese Fußstapfen sind doch viel zu groß! Welche Füße sollen da hineinpassen?

Meine jedenfalls nicht. Diesen Schuh ziehe ich lieber nicht an! Wie soll ich denn diese Berufung leben? Dann senke ich lieber meinen Kopf, schaue verschämt nach unten! Denke mir, das schaffe ich nicht.

Aber das muss ich auch nicht! Die Berufung ist ja nicht allein ein Anspruch an mich. Die Fußspuren sind nicht einfach nur zu groß, sondern sie geben Sicherheit. Denn Fußspuren sind ja nicht wie Wegweiser, manchmal nur hier und dort aufgestellt, manchmal schwer zu finden! Die Berufung zur Nachfolge ist auch ein Zuspruch. Dort, wo ich berufen bin, mehr noch dort, wo ich gerufen werde, wird mir etwas zugetraut. So eine Berufung ist dann nicht zufällig, sondern geschieht bewusst. So ein Ruf erinnert mich an die Situation, wenn jemand eine neue Stelle antritt. Manchmal weiß man gar nicht, wie man da hingekommen ist. War es Zufall oder ist es die Frucht jahrelanger Arbeit? Was sind die Erwartungen? Doch in all den Zweifeln spüre ich: In diesem Ruf liegt auch ein großes Zutrauen. Jesus, der uns beruft, er kennt uns! Er ist nicht ein Herrscher, der seine Söldner ruft. Nein, er ist der gute Hirte! Er ruft uns mitten im Leben. Mehr noch, er hat „unsere Sünden selbst hinaufgetragen an seinem Leibe auf das Holz“, wie es hier poetisch ausgedrückt wird. Jesus Christus hat durch seinen Tod am Kreuz meine und deine Berufung möglich gemacht. Wir sind Kinder Gottes geworden. Er hat uns freigesprochen und erlöst. Er führt uns als guter Hirte. 

Ihr Vikar Simeon Prechtel

Gebet 

Du guter Hirte, du mahnst die Schuldigen. Du vergibst denen, die umkehren.
Wir bitten dich: Rühre die Mitleidlosen. Erschüttere die Gefühllosen. Bewege die Gedankenlosen.

Du guter Hirte, mit deinem Eingreifen rettest du die in Gefahr sind. Du befreist die Eingeschlossenen.
Wir bitten dich: Tröste die Verzweifelten. Stärke die Bedrängten. Beschütze die um deines Namens Willen Verfolgten. Heile die Verwundeten. Sättige die Hungernden. Schaffe Frieden.

Du guter Hirte, du Auferstandener, deine Liebe ist stärker als der Tod.
Wir bitten dich: Lindere die Schmerzen der Kranken. Erbarme dich der Sterbenden. Tröste wie Trauernden. Wische alle Tränen ab.

Du guter Hirte, mit deinem Wort öffnest du die Herzen der Menschen. Du verwandelst die Welt.
Wir bitten dich: Segne deine Kirche. Gib ihr Demut und Vertrauen. Stärke auch uns heute durch dein Wort.

Du guter Hirte Jesus Christus, du unser Gott, du bist der Friede, der die Welt überwindet. Du bist das Wort, das belebt und verzeiht.
Wir bitten dich um Regen, schenke Wasser für Gärten, Wiesen und Wälder. Du bist das wahre Leben. Dir vertrauen wir uns an, heute und an allen Tagen.

Amen