Sonntag Quasimodogeniti - mit Videogottesdienst aus der Johanneskirche

Am Abend aber dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger versammelt und die Türen verriegelt waren aus Furcht vor den Juden, kam Jesus und trat mitten unter sie und spricht zu ihnen: „Friede sei mit Euch!“

Quasimodogeniti – wie die Neugeborenen Kinder. Das ist der Name dieses Sonntags. Manche kennen diesen Tag auch als „weißen Sonntag“ wegen der weißen Kleider der Täuflinge. Wegen der neugewonnenen Unschuld des im Geist wiedergeborenen Menschen. „Christ ist erstanden – vergessen sind Ängste, Not, Kummer und Schmerzen, wir atmen freier und singen von Herzen…“, so singen wir im Osterlied EG 556. Kann man das so sagen? Unsere Erfahrung spricht doch da ganz anders. Ob Christ oder nicht, jedes Leben ist doch immer wieder zerbrechlich, bedroht, von Leid und Schuld geprägt.

Bereits in der frühen Christenheit kamen die Menschen am ersten Tag der Woche zusammen und stellten sich gemeinsam in das Licht des Auferstandenen. Sie erinnerten an Jesus Christus und ließen sich taufen in ein Leben in Gemeinschaft mit ihm. Sie teilten miteinander das Brot, sie teilten ihr Hab und Gut.  Sie riefen sich zu: Er hat den Tod besiegt. Gleichzeitig waren die Türen verriegelt. Gleichzeitig hatten sie Angst und fragten sich: Wie soll es weitergehen? Gleichzeitig wuchsen von Tag zu Tag die Konflikte in der jungen Christengemeinde, es gab die Schwachen und die Starken, es gab die Verräter und die Neider, es gab die Benachteiligten und die, die alle Aufmerksamkeit bekamen.

Ganz so wie in unserer Zeit. Je länger die Corona-Krise anhält, kristallisieren sich die alten Ungerechtigkeiten unserer Gesellschaft deutlicher heraus. In den USA heißt es: Die böse Fratze des Kapitalismus zeigt sich. Arme und Schwarze werden schneller krank, hungern und sterben – zehntausendfach. Auch bei uns werden soziale Unterschiede bei den Schülerinnen und Schülern deutlich, sind die Obdachlosen die, an die keiner bei der Ausgangssperre dachte, ist ein kleiner Blumenladen weniger systemrelevant als ein großer Supermarkt und sind die Notleidenden in den Flüchtlingslagern plötzlich ganz weit weg. Unzufriedenheit wegen ungerechter Behandlung, Neid und Hörigkeit gegenüber großen Konzernen fördert den sozialen Unfrieden und zuweilen auch gegenseitige Bespitzelungen und Anzeigen.

Und mitten hinein in diesen abgeriegelten Raum tritt der Auferstandene – ungebeten und unvermittelt. Mitten hinein in unser Leben, in unsere immer wieder schuldhafte Welt, spricht er: Friede sei mit euch!  Es ist der Friede, der alle unsere Vernunft übersteigt. Es ist der Friede, der möglich wird dort, wo Menschen das Starren auf ihre eigenen Interessen ablegen. Im Taufritual sagen wir: „Der alte Mensch“ geht unter im Wasser der Taufe, er stirbt mit Jesus Christus. Bleiben wir in der Erfahrung der Urchristen: Sie tauchten unter in der Taufe und tauchten wieder auf. Auftauchen, neu atmen, neu das Leben spüren – und sich voller Vertrauen einlassen auf ein Leben im Blick auf den Gott, der das Leben und die Liebe ist. Das ist es worum ich jeden Tag aufs Neue bitte.

Ich wünsche Ihnen eine frohe Osterzeit als von Neuem Geborene, behütet und bewahrt!

Ihre Pfarrerin Dörte Knoch

Gebet

Du, der Lebendige und Auferstandene, wir bitten Dich für unsere Welt: Tritt ein in unsere engen Grenzen und sprich: „Friede sei mit euch.“

Für die Opfer von Gewalt in den Kriegsgebieten der Erde sowie mitten unter uns in den Einfamilienhäusern und in den Hochhäusern: Sprich „Friede sei mit euch.“

Für die, die sich für Frieden und Gerechtigkeit einsetzen und gewaltfreie Lösungen von Konflikten suchen: Sprich “Friede sei mit Euch.“

Für die in einer Notlage sowie für die Menschen, die ihnen beistehen: Sprich „Friede sei  mit euch.“

Führe mich vom Tod zum Leben
Von der Unwahrheit zur Wahrheit
Von der Verzweiflung zur Hoffnung
Von der Furcht zum Vertrauen
Führe vom Hass zur Liebe
Erfülle Du unsere Herzen, die Welt,
das ganze Universum mit Frieden. Amen.

Segen

Geht als neugeborene Kinder Gottes
Geht mit der Einsicht, dass ihr gesandt seid in die Welt zu den Menschen, die euch begegnen
Geht mit der Absicht, die Erwartungen der Menschen, die euch begegnen, nicht zu enttäuschen
Geht mit der Aussicht, dass euch auf eurem Weg Jesus Christus, der Auferstandene begegnet und spricht: Friede sei mit dir.
So segne und behüte euch der gnädige und barmherzige Gott,
der Vater, der Sohn und der heilige Geist. Amen.