Zum Sonntag Rogate 2020 in den Klostergemeinden

 

Jesus sprach zu seinen Jüngern: „Wenn ihr den Vater um etwas bitten werdet in meinem Namen, wird er’s euch geben.“ (Joh. 16,23b)

Dietrich Bonhoeffer, an dessen Todestag wir vor kurzem erinnert wurden, sagte über das Gebet: „Die christliche Sache lebt und stirbt mit dem Gebet. Das Gebet ist das Herz des christlichen Lebens.“

Wenn da so ist, dann gibt es keinen Christen, der nicht betet. Ein mündiger Christ ist sicher nicht einer, der perfekt ist, der keine Fehler macht. Nein, einer, der im Glauben reift, wird nicht besser, - sondern: dankbarer!
Dankbarer für das Geschenk des Lebens, dankbarer, dass ihm immer wieder vergeben wird, dankbarer dafür, in Gottes Hand geborgen zu sein in guten und in Krisen-Zeiten. Und auch dankbar dafür, Gott überhaupt kennen
zu dürfen: ihn nicht nur als irgendeine Art „Welt-Geist“ erahnen zu müssen, sondern zu ihm zu sagen: „mein lieber Vater“.

Denn das hat uns Jesus geschenkt: Er hat uns Gott als Vater gezeigt, der Gemeinschaft mit uns haben will; wir dürfen Gott „mein lieber Vater“ nennen. Das Vaterunser als das Gebet schlechthin beginnt mit diesen Worten voller Zuneigung und Vertrautheit. Wir dürfen mit Gott sprechen, immer, überall, ohne Zwischeninstanzen; er hat ein offenes Ohr für uns; das Gebet ist der entscheidende Zugang zur Quelle des Lebens. Jesus sagt: Der Vater liebt euch. Denn ihr glaubt an mich. D.h.: durch den Glauben an Jesus Christus, Gottes Sohn, haben wir diese unmittelbare Gemeinschaft mit Gott. Und in dieser Gemeinschaft wird Gott unsere Gebete erhören und uns Freude schenken: echte Freude, wie sie ein Kind empfindet, das sich in den Armen des Vaters und der Mutter angenommen und geborgen weiß. Und Frieden: die Gewissheit, dass Gott uns nahe ist, was auch kommt - in einer Welt, in der wir immer wieder Angst haben. Und das spüren ja viele Menschen gerade jetzt, wo alles so anders ist, wo wir verunsichert sind, wie es weitergeht, weil das Leben in der Corona-Krise sich so verändert hat, wo viele einsam sind, oder nicht wissen, wie es wirtschaftlich für sie weiter geht, oder einfach ganz massiv Angst vor einer Ansteckung haben. „In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden“: das ruft uns Jesus zu – gerade jetzt: Seid getrost! Habt Mut! Ihr seid in mir geborgen. Bleibt verbunden mit mir und mit meinem Vater. Betet – und spürt dann, dass nicht die Angst, sondern dass Gott das letzte Wort hat. 

Jetzt könnte man einwenden: Wir sollen uns doch nicht hinsetzen und die Hände in den Schoß legen; sondern wir müssen doch etwas tun! Gerade als Christen in dieser Welt. Ja, das ist richtig. Und doch gilt die alte Erfahrung, dass Beten und Handeln zusammengehören, und dass vieles, was nicht im Gebet gegründet ist, ins Leere läuft.

Ein Dichter hat das so ausgedrückt: „Die Hände, die zum Beten ruhn, die macht Gott stark zur Tat. Und was der Beter Hände tun, geschieht nach seinem Rat.“ Gelebter christlicher Glaube zeigt sich in beidem: im Beten und im Tun des Gerechten unter den Menschen.

Der Sonntag Rogate – Betet! – erinnert uns an diese grundlegende Tatsache. Und darum: Beten Sie! – oder: beten Sie wieder mehr! Das Gebet verbindet auch. Die Nähe zu Jesus bringt uns auch einander nah. Wie nahe können wir im Gebet denen sein, mit denen wir im Glauben verbunden sind: ich denke ganz besonders an unsere Geschwister in
Laulu in Papua-Neuguinea. Wir bringen sie, ihre Gemeinden, ihre Kirche, vor Gott. Wir denken an sie in ihren bescheidenen Lebensverhältnissen. Und in diesen Zeiten bitten wir besonders um Schutz und Gesundheit für sie.

Ja, das Gebet verbindet. Und deshalb verbindet es auch unsere Gemeinden hier im Dekanat, so verschieden sie auch sind: wir bleiben im Gebet verbunden – im Blick auf den einen gemeinsamen Herrn Jesus Christus. Im Übrigen: Beten lernen ist gar nicht schwer: Man lernt es - durch Beten: indem man einfach mal einen Moment ruhig wird, vielleicht die Augen schließt und am besten so halblaut sagt: „Lieber Gott, du weißt, ich kann gar nicht beten; aber ich muss dir jetzt einfach sagen, was mich gerade beschäftigt: also...“ – und dann sagen Sie es einfach! Probieren Sie’s einfach aus! Dann werden auch Sie wachsen in der Gewissheit des Glaubens: dass wir mit Jesus verbunden sind und dass uns alle ganz persönlich sein Wort trägt:

„In der Welt habt ihr Angst. Aber seid getrost. Ich habe die Welt überwunden.“

Ihr Klaus Schlicker, Dekan

 

Lied: Gott hört dein Gebet (KAA 024)
Gebet
Gott, du bist uns Vater und Mutter, du willst für alle Menschen das Gute. In diesen Zeiten der Corona-Pandemie sorgen wir uns um viele. Unsere Gedanken gehen zu den Schwestern und Brüdern und ihren Familien in Papua -Neuguinea, besonders in Laulu und Kerowagi.

Wir denken besonders an Kinder in Papua Neuguinea und bei uns. Schenke du ihnen, dass sie fröhlich miteinander spielen können. Schenke ihnen, dass sie zum Lernen in die Schule gehen können.

Viele Menschen wohnen in Gebieten, die vom Lockdown betroffen sind. Viele nötige Medikamente kommen dadurch nicht bis zu den Krankenhäusern. Auch deshalb sterben viele Menschen. Stehe du den Kranken, den Sterbenden und ihren Familien bei.

Gott, wir bitten dich: Stehe allen Menschen bei, dass sie in dieser weltweiten Krise nicht ihren Glauben verlieren. Führe du sie an deiner Hand.

Hilf du uns, in der Gebetsgemeinschaft mit den Partnern in Laulu und Kerowagi Hoffnung und Zuversicht zu finden und verbunden zu bleiben. Schenke du uns deinen Geist dazu.

Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost was kommen mag. Gott ist mit uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

Amen.